„Angriff ist die beste Verteidigung?“

Nach diesem Motto scheint derzeit die CSU in Marktoberdorf zu agieren.
Nachdem sie sich gegen eine Frau aus den eigenen Reihen als zweite Bürgermeisterin entschieden hat, folgt auf die Kritik prompt die Gegenoffensive: Man habe ja nicht „gegen Frauen“ votiert – und eine Frau aus einer anderen Fraktion habe sich schließlich gar nicht zur Wahl gestellt. Warum also nicht eine Kandidatin der Grünen?
Nur: Wer ernsthaft Interesse daran gehabt hätte, eine Frau aus einer anderen Fraktion zu gewinnen, hätte das Gespräch gesucht. Das ist nicht passiert. Es gab im Vorfeld weder Abstimmungen noch Initiativen oder Vorschläge in Richtung unserer Stadträtinnen – weder für das zweite noch für das dritte Bürgermeisteramt.
Die nachträgliche Behauptung, man hätte „gerne eine grüne Bürgermeisterin gewählt“, wirkt daher wenig glaubwürdig.
Fakt ist: Mit Mareile und Alexandra haben wir zwei engagierte Frauen im Stadtrat. Beide sind neu im Gremium, voll berufstätig und häufig nicht vor Ort. Mareile absolviert zusätzlich eine berufsbegleitende Promotion, Alexandra trägt Verantwortung für zwei nicht volljährige Kinder. Dass sie sich unter diesen Voraussetzungen zunächst auf ihre Arbeit im Stadtrat und in Ausschüssen konzentrieren, ist nachvollziehbar – und verantwortungsvoll.
Gleichzeitig ist klar: Für ein Bürgermeisteramt braucht es neben Kompetenz vor allem zeitliche Verfügbarkeit und Präsenz vor Ort.
Diese Voraussetzungen bringen andere Kandidierende mit – etwa Georg Martin, unser Bürgermeisterkandidat, oder Andrea Guggenmos für das Amt der zweiten Bürgermeisterin. Beide sind erfahren, vor Ort berufstätig und hätten die nötige Zeit gehabt, die Aufgaben voll auszufüllen.
Umso bemerkenswerter bleibt, dass die CSU ihre eigene, kompetente Kandidatin nicht einmal für das Amt der zweiten Bürgermeisterin vorgeschlagen hat.
Und noch ein Widerspruch: Während öffentlich mehr Frauen in der Politik gefordert werden, zeigt sich weder im Abstimmungsverhalten der CSU-Fraktion noch im Wahlergebnis ihrer Liste ein klarer Rückhalt für Kandidatinnen.
Unser Anspruch bleibt: die bestmögliche Besetzung für unsere Stadt – unabhängig vom Geschlecht. Gleichzeitig setzen wir uns weiterhin (denn wir Grüne tun das schon immer und nicht nur zum Wahlkampf) aktiv dafür ein, dass mehr Frauen Verantwortung übernehmen. Mareile und Alexandra tun das bereits heute – engagiert in Ausschüssen, Aufsichtsräten und als Beauftragte.
Vielleicht lohnt sich an dieser Stelle weniger Gegenangriff – und mehr Transparenz.

Helen van Almsick