Dass die Transformation des Energiesystems am Wirtschaftsstandort Deutschland als unausweichlich gilt, ist kein neues Thema mehr.
Aktuell wurde dazu die neue Fraunhofer-Studie von Dr. Christoph Kost mit dem Titel „So wird unser Energiesystem kostengünstig, zuverlässig, erneuerbar. 24/7” auf einer Sonderschau bei der „Intersolar“ Messe in München vorgestellt und gleichzeitig im Rahmen eines Europe Calling Webinars einem breiten Publikum zugänglich gemacht. Zu betonen ist, dass es sich hier nicht um eine ökologisch ausgerichtete „Grüne Studie“ handelt, sondern dass die zugrunde liegende Herangehensweise technologieoffen ist und objektiv die wirtschaftliche Optimierung im Blick hat.
Sie weist anhand von Berechnungen, Fakten und Analysen u.a. nach, dass
- eine stabile und resiliente Vollversorgung Deutschlands mit Erneuerbaren möglich ist. Auch künftig wird es Stunden mit hohen Strompreisen geben, doch sie werden mehr als ausgeglichen durch Stunden mit niedrigen Strompreisen. Speicher und Nachfrageflexibilität durch Preisanreize (Smart Meter, dynamische Stromtarife, regionale Preissignale) können den günstigen Strom in den teuren Stunden nutzbar machen,
- die Abhängigkeiten von Energieimporten um 80% sinken werden und die Resilienz dementsprechend steigen wird,
- für die Beherrschung der Dunkelflaute relativ wenige Kraftwerke ausreichen werden,
- bereits 30% der Stellenangebote direkt oder indirekt aus der Green Energy Branche kommen,
- Strom der zentrale Energieträger der Zukunft ist.
Dabei gibt es einige Voraussetzungen und Notwendigkeiten für eine erfolgreiche Transformation, u.a.:
- Ganz zentral sind die hochgradige Vernetzung und Flexibilisierung des Energiesystems (Smart Meter, dynamische Stromtarife, regionale Preissignale).
- Für die Beherrschung der Dunkelflaute braucht es wenige, aber flexible Kraftwerke (z.B. grüner Wasserstoff, Biogas) sowie den massiven Zubau von Batterien, aber auch Importe werden nicht komplett zu vermeiden sein.
- Eine sichere Versorgung mit 100% EE ist nur durch eine nicht unerhebliche Überbauung zu erreichen, die Abregelung bei Überproduktion muss daher als Teil des Systems verstanden und akzeptiert werden.
- Energieintensive Industrie wird wie auch schon in der Vergangenheit weiterhin Sonderregelungen beim Strompreis brauchen.
Das Interesse am Webinar war groß. Am Ende lieferte Sven Giegold einen coolen Impuls: „Wäre die EE Branche genauso hart drauf wie unsere Bauern, wäre die Debattenlage und die Aufmerksamkeit eine ganz andere. Würden die ganze Branche und all ihre Freunde mit ihren Firmenwagen in Berlin auffahren, würde das möglicherweise die Meinungsbildung dort beeinflussen. Diesen Aufstand würde ich mir wünschen!“ (frei wiedergegeben).
Johanna Egger
Youtube Aufzeichnung des Webinars:
Weitere Informationen:
ISE kostenopimale Transformation des deutschen Energiesystems bis 2024 – Studie
ISE Fraunhofer – Daten zu EE
Hinweis: Europe Calling Webinar am 7. Juli zum Thema „Kollaps der atlantischen Zirkulation“ mit Prof. Stefan Rahmstorf
