Robert Herbst

Gründer Musk Marketing & The Green Room Coworking, 4 Kinder, Trainer F-Jugend TSV Leuterschach und seit 2018 bei den Grünen


„Ich möchte eine Gesellschaft fördern, die in ihrer Vielfalt und Gemeinschaft alle Energie auf ein friedliches, nachhaltiges und zukunftsorientiertes Zusammenleben verwendet!“

1. Warum hast Du Dich für ein Engagement bei den Grünen entschieden?


Ich hatte schon lange mit dem Gedanken gespielt, mich politisch zu engagieren und stieß dann im September 2018 auf eine Kolumne im Spiegel, die förmlich für mich geschrieben war und deren Klarheit und Kraft ich noch gebraucht hatte, um endlich in die Aktivität überzugehen. Die Zeit war geprägt von unerträglichen Aussagen auf höchster politischer Ebene („69 Abschiebungen zum 69. Geburtstag“ etc.) und ich hatte das Gefühl, dass ich es meinen Kindern schuldig bin, der Gesellschaft mit meinen Überzeugungen insgesamt „Mut (zu) geben statt Angst zu machen“ (grüner Slogan der Landtagswahl) und sie vor einer Wiederholung der Geschichte zu bewahren.

2. Was zeichnet Deiner Meinung nach die grüne Partei besonders aus?


Unsere Zeit erfordert aus meiner Sicht eine Partei, die ohne Konfessions- oder Schichtenzugehörigkeit die Werte der Menschlichkeit und die Nachhaltigkeit unseres Handelns an oberste Stelle setzt. Eine Partei, die bedingungslos demokratisch ist, die den technologischen und gesellschaftlichen Fortschritt vorantreibt und nicht zuletzt, die auch mit ihrem aktuellen Führungspersonal eine völlig neue Musik des Miteinanders im politischen Diskurs spielt. All das habe ich neben vielen anderen Dingen in meinem ersten Jahr bei den Grünen erlebt und noch dazu bin ich auf eine Gemeinschaft gestoßen, die die Förderung von Frauen und jungen Menschen wirklich lebt.

3. Welche (politische) Persönlichkeit bewunderst Du und warum?


Ich gebe gerne und offen zu, dass ich von Robert Habeck bisher wirklich begeistert bin. Er hat eine Klarheit und Ruhe, die es ihm einerseits ermöglichen deutlich Stellung zu beziehen, zu führen und mitzureißen… gleichzeitig aber auch das (politische) Gegenüber respektvoll zu behandeln und gute Ideen anderer nicht aus Prinzip abzuwerten. Das sind die Qualitäten von Angela Merkel, allerdings um die Prise Eloquenz und Emotionalität erweitert, die Deutschland unheimlich guttun.

4. Was ist aus Deiner Sicht die größte Chance, die wir als Gesellschaft in den nächsten Jahren ergreifen müssen?


Unsere größte Chance ist, die vollen Potenziale des technologischen Wandels zu ergreifen, mit Bedacht zu steuern und kraftvoll für uns zu nutzen. Die heutige Technologie hebt die demokratische Teilhabe auf ein völlig neues Level. Die Vernetzung schafft eine Ökonomie, die sich vom Kauf eines Produkts zur gemeinsamen Nutzung von Services wandelt und alles kann (auch zum Vorteil der Ökologie!) potenziell um ein Vielfaches effizienter hergestellt und genutzt werden. Wir können endlich weg von repetitiven Arbeiten („Künstliche Intelligenz“) und hin zu einer Entfaltung der „menschlichen“ Potentiale unserer Gesellschaft.

5. Was ist für Dich die größte Herausforderung, die uns politisch in den nächsten Jahren bevorsteht?


Der Wandel bringt – wie so oft – auch enorme Unsicherheit und Machtverschiebungen mit sich, die man gar nicht genug betonen kann. Unsere Gesellschaft ist im Altersdurchschnitt bereits sehr „arriviert“ und es geht den meisten Menschen gerade in dieser zweiten Lebenshälfte finanziell relativ gut. Diese psychologischen und physischen Faktoren führen zu dem Wunsch, unbedingt das zu erhalten, was man hat und die Möglichkeiten und Chancen, die sich aus dem Wandel auch für die (eigene) Kinder- und Enkelgeneration ergeben, zu unterschätzen. Wenn auf eine solche Grundsituation dann noch Krisen einbrechen (Flüchtlings-, Wirtschafts-, Klima-…), kann eine unheimlich explosive Grundstimmung entstehen, die das uns allen Gemeinsame und das Mögliche verachtet und sich nur noch auf sich selbst bezieht.

6. Wenn Du 3 (politische) Wünsche frei hättest, welche wären das?


Auch wenn einem diese Wünsche aus einer anderen Partei bekannt vorkommen, würde ich mir an oberster Stelle Gerechtigkeit, Brüderlichkeit und Gleichheit wünschen. Die Begriffe werden oft falsch verstanden, in einem modernen Kontext sind sie aber die beste Basis für viele der Ziele, die uns heute immens beschäftigen: Gleichberechtigung der Frauen, Bekämpfung von Rassismus, Frieden und nicht zuletzt die Klimakrise, weil ungerechterweise die heutigen Profite einzelner Firmen auf der Ausbeutung und Zerstörung der Natur und der Lebensgrundlage nachfolgender Generationen aufbaut.

7. Welche persönlichen Ziele leiten Dein Engagement bei den Grünen?


Ich möchte meine Heimat maximal positiv beeinflussen und mich so einbringen, dass ich in ein paar Jahrzehnten glücklich und zufrieden diese Erde verlassen kann und nicht als Wurm wiedergeboren werde.

8. Wenn Du Bürgermeister*in in Marktoberdorf wärst, würdest Du…


Dann würde ich den Fokus wegnehmen von der Verwaltung des Ist-Zustandes und mich kraftvoll den Menschen zuwenden, um gemeinsam die unglaublichen Potentiale dieser Stadt zu heben!

9. Marktoberdorf ist…


… für mich als geborenen Fischkopp und lange „Umher-Reisenden“ endlich der Ort, wo ich mit ganzem Herzen bleiben möchte.

10. Wenn Du zurückblickst, auf was bist Du in Deinem Leben bisher so richtig stolz?


Richtig stolz, zufrieden und teilweise zu Tränen gerührt, war ich immer nur in Situationen, wenn ich maßgeblich dazu beitragen konnte, dass ein anderer Mensch oder eine Gruppe von Menschen sein/ihr volles Potential entfalten und (unerwartete) Erfolge feiern konnte(n). Und natürlich bin ich unheimlich stolz auf meine Frau und vier Kinder, die mein Ein und Alles sind!

11. Was bedeutet Heimat für Dich?


Ich definiere für mich den Begriff Heimat um, denn der Ort wo ich herkomme, hat mir nie so recht gepasst. Für mich ist Heimat der Ort, wo man wirklich bleiben möchte. Und diese Definition eröffnet ein unheimlich integrierendes Potential und ist zugleich die beste Basis, um als Gesellschaft mit großer Kraft gemeinsam eine bestmögliche Zukunft zu erschaffen.

12. Was bedeutet es für Dich, ein „nachhaltiges Leben“ zu führen?


Für mich bedeutet ein nachhaltiges Leben vor allem, dass man den Blick nach vorne richtet und so lebt, dass unsere Menschheit mit der Natur dauerhaft friedlich und glücklich fortleben kann.

13. Welches Lebensmotto hast Du?


Carpe diem! Nutze den Tag so, dass Du am Abend zufrieden einschlafen kannst.